Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands teure Kampfflugzeug-Pläne als "Hybris"

Adriana Schacht
Adriana Schacht
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Ein deutscher Propagandaplakat aus dem Zweiten Weltkrieg, das eine Gruppe von Kampfflugzeugen in der Luft zeigt und ihre Fähigkeiten beschreibt.Adriana Schacht

Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands teure Kampfflugzeug-Pläne als "Hybris"

Der ehemalige Airbus-Chef Thomas Enders hat die Pläne Deutschlands für einen eigenentwickelten Kampfflugzeugtyp als teures Prestigeprojekt kritisiert. Er warnte, dass ein solches Vorhaben mit immensen Kosten verbunden wäre und die Einsatzbereitschaft erst gegen Ende der 2040er-Jahre erreichen würde. In seinen Äußerungen stellte er zudem die aktuelle Vorgehensweise der Bundesregierung bei der deutsch-französischen Kampfflugzeugkooperation infrage und bezeichnete eine frühere Entscheidung als "strategischen Fehler".

Enders bezeichnete den Plan, Deutschland solle ein eigenes Kampfflugzeug entwickeln, als "industriepolitische Hybris". Zwar räumte er ein, dass das Land über die technische Kompetenz verfüge, doch betonte er, dass die finanziellen Belastungen und der Zeitrahmen das Vorhaben unrealistisch machten. Stattdessen schlug er vor, Partnerschaften mit dem britischen Global Combat Air Programme (GCAP) oder Schweden für künftige bemannte Flugprojekte zu prüfen.

Deutschland führt bereits Gespräche mit Italien über einen möglichen Beitritt zu GCAP, hat sich aber noch nicht verbindlich festgelegt. Bundeskanzler Friedrich Merz bestätigte unterdessen laufende Verhandlungen mit Frankreich, um die Streitpunkte im bestehenden Future Combat Air System (FCAS) zu klären. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Fragen der Führung und der industriellen Gleichberechtigung zwischen Airbus und dem französischen Hersteller Dassault.

Enders hinterfragte zudem die langfristige Bedeutung bemannter Kampfflugzeuge und sagte voraus, dass diese in zwei Jahrzehnten nur noch eine untergeordnete Rolle spielen würden. Stattdessen sehe er die Zukunft der militärischen Luftfahrt in unbemannten Kampfdrohnen (UCAVs) – massenhaft produzierten, KI-gesteuerten Systemen. Seine Position steht damit im Widerspruch zu der des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der Gewerkschaft IG Metall und des aktuellen Airbus-Chefs Guillaume Faury, die weiterhin in bemannte Flugzeuge investieren wollen.

Die Äußerungen des früheren Konzernchefs fallen in eine Phase, in der Deutschland zwischen FCAS und GCAP abwägt. Während die Regierung Merz darauf setzt, die deutsch-französischen Spannungen zu überwinden, plädierte Enders für einen Kurswechsel hin zu autonomen Systemen und forderte strategische Investitionen in die nächste Generation von Drohnentechnologie.

Enders' Kritik offenbart tiefe Gräben in der Debatte um die deutsche Kampfflugzeugstrategie. Das Land steht nun vor der Wahl, das in Schwierigkeiten geratene FCAS-Projekt zu reaktivieren, eine Kooperation mit GCAP zu prüfen oder sich auf autonome Systeme zu konzentrieren. Seine Warnungen unterstreichen die finanziellen und strategischen Risiken, die mit einem nationalen Alleingang verbunden wären.

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