Skandal im Märkischen Kreis: Schweinezuchtbetrieb verliert Zertifizierung nach Tierschutzverstößen
Adriana SchachtSkandal im Märkischen Kreis: Schweinezuchtbetrieb verliert Zertifizierung nach Tierschutzverstößen
Schweinemastbetrieb im Märkischen Kreis: Schwerwiegende Verstöße gegen den Tierschutz aufgedeckt
Ein Schweinezuchtbetrieb im Märkischen Kreis (Nordrhein-Westfalen) ist wegen gravierender Verstöße gegen das Tierschutzrecht in die Kritik geraten. Verdeckt aufgenommene Videoaufnahmen der Tierrechtsorganisation Aninova zeigen schockierende Zustände – darunter verletzte Schweine und verendete Ferkel. Nach Bestätigung der Missstände durch behördliche Kontrollen wurde dem Betrieb die Zertifizierung entzogen.
Am 10. Oktober veröffentlichte Aninova das Bildmaterial, das vernachlässigte Tiere und heruntergekommene Stallanlagen dokumentiert. Die auf Instagram geteilten Aufnahmen verbreiteten sich rasant und erreichten über eine halbe Million Aufrufe. Die Behörden wurden alarmiert, während die Organisation Strafanzeige gegen den Landwirt erstattete, der zugleich eine Führungsposition im Rheinland-Nassau Bauern- und Winzerverband innehat.
Am 14. Oktober fanden zwei unabhängige Kontrollen statt: Das QS-Qualitätssicherungssystem führte eine Notfallprüfung durch und entzog dem Betrieb umgehend die Zertifizierung – begründet mit toten Tieren und untragbaren Haltungsbedingungen. Parallel deckte das örtliche Veterinäramt bei einer eigenen Begehung Hygienemängel und weitere Tierschutzverstöße auf.
Das QS-System ging noch einen Schritt weiter und setzte den für frühere Kontrollen zuständigen Prüfer vorläufig aus. Wegen Bedenken hinsichtlich seiner Neutralität wurde ihm untersagt, künftig Audits in allen tierhaltenden Betrieben durchzuführen. Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher des Bauernverbands, von dem Betrieb keine Kenntnis zu haben, und lehnte Stellungnahmen zu Personalangelegenheiten ab.
Aninova kritisierte die Doppelfunktion des Landwirts als Interessenvertreter und gleichzeitigem Verantwortlichen für die dokumentierten Missstände. Der Betrieb war bereits in der Vergangenheit bei Kontrollen durchgefallen – noch vor den aktuellen Enthüllungen.
Nach dem Entzug der Zertifizierung drohen dem Betrieb nun rechtliche Konsequenzen. Die von Aninova eingereichte Strafanzeige wird von den Behörden geprüft. Der Fall wirft zudem grundsätzliche Fragen zur Kontrolle in der Nutztierhaltung auf – insbesondere dann, wenn Prüfer und Betriebsinhaber in Interessenkonflikten stehen.






