Schildgen feiert zehn Jahre Willkommenskultur für Geflüchtete mit bewegenden Geschichten
Recep WohlgemutSchildgen feiert zehn Jahre Willkommenskultur für Geflüchtete mit bewegenden Geschichten
Vor zehn Jahren schlossen sich die Bewohner von Schildgen zusammen, um Geflüchtete in ihrer Gemeinde willkommen zu heißen. Die 2015 gestartete Initiative bot Menschen, die vor Krieg und Entbehrungen flohen, lebenswichtige Unterstützung. Nun begeht das Dorf zum zehnjährigen Jubiläum Veranstaltungen, die die Erfahrungen der Neuankömmlinge und die seither erzielten Fortschritte reflektieren.
2015 gründeten etwa 100 Schildgener Bürger:innen die Freiwilligengruppe "Willkommen in Schildgen", die Geflüchteten half, Fuß zu fassen. Sie unterstützten bei Behördengängen, Arztterminen und Deutschkursen – und legten so den Grundstein für eine langfristige Integration.
Einer der damals Ankömmlinge war Youssef Messraba, ein syrischer Geflüchteter, der sich bei seiner Ankunft in Deutschland verloren und überfordert fühlte. Heute hat er eine Ausbildung zum Elektroniker abgeschlossen und studiert Elektro- und Medizintechnik. Seine Geschichte wird am 28. November in der Gesprächsrunde "Auf dem Sofa" erzählt, moderiert von Margret Grunwald-Nonte.
Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten gehört auch die Ausstellung "Himmel un Ääd", die 21 farbige Porträts von Geflüchteten zeigt. Noch bis zum 6. Dezember beleuchtet sie ihre Wege und Leistungen. Parallel findet am selben Tag die Veranstaltung "Angekommen – Erfahrungen und Leben in Deutschland/Schildgen" statt.
Die Zahlen sprechen für den Erfolg der Initiative: 72 Prozent der Geflüchteten sind mittlerweile erwerbstätig, 15 Prozent befinden sich in Ausbildung oder Studium. Die meisten sprechen fließend Deutsch. Dennoch bleiben Herausforderungen – Messraba etwa wartet seit 20 Monaten auf die Einbürgerung und erlebt weiterhin Vorurteile.
Die Jubiläumsveranstaltungen stehen für ein Jahrzehnt gemeinschaftlichen Engagements und Durchhaltevermögens. Zwar haben viele Geflüchtete ein stabiles Leben aufgebaut, doch Verzögerungen bei der Einbürgerung und anhaltende Diskriminierung zeigen: Es gibt noch viel zu tun. Wer unabhängigen Journalismus zu solchen Themen unterstützen möchte, kann spenden oder dem Freundeskreis beitreten.






