Warum das Vertrauen in die Demokratie bröckelt – und wer davon profitiert
Valeria TrubWarum das Vertrauen in die Demokratie bröckelt – und wer davon profitiert
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Vertrauen in die Demokratie schwindet. In seinem neuesten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen das Vertrauen in staatliche Institutionen, Gerichte, die Wissenschaft und die Medien verlieren. Seine Erkenntnisse zeigen, dass dieser Wandel den Aufstieg populistischer Bewegungen wie der deutschen AfD und von Persönlichkeiten wie Donald Trump befeuert.
El-Mafaalani argumentiert, dass misstrauische Menschen zunehmend enge Gruppen bilden, in denen sie ihren Skeptizismus gegenseitig verstärken. Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" wenden sich oft Parteien wie der AfD zu, die die liberale Demokratie offen infrage stellen. Digitale Plattformen haben es solchen Gruppen erleichtert, sich zu vernetzen und zu organisieren – und beschleunigen so ihr Wachstum.
Die AfD selbst hat diesen Trend für sich genutzt. 2013 als Partei euroskeptischer Ökonomen und Akademiker gegründet, spricht sie heute ostdeutsche Arbeiter, enttäuschte CDU-Wähler und jüngere Anhänger an. Bis 2024 stieg ihre Mitgliederzahl auf über 40.000, und bei Landtagswahlen erzielte sie starke Ergebnisse, darunter ein Sieg in Thüringen.
Der Erfolg der Partei beruht unter anderem auf ihrer frühen Nutzung digitaler Medien. Während etablierte Plattformen Restriktionen verhängten, baute die AfD auf Facebook, YouTube, Telegram und TikTok eine Millionen followers starke Anhängerschaft auf. Mit Kampagnen wie "AfDjugend" sprach sie gezielt jüngere Wähler mit Memes und Direktnachrichten an – und umging so die klassischen Medien.
El-Mafaalani warnt jedoch, dass bloße Enthüllungen über die Inkompetenz der AfD das Vertrauen in die Demokratie bei ihren Anhängern nicht zurückbringen werden. Stattdessen betont er, wie populistische Strategen gezielt das Vertrauen in Institutionen untergraben. Seine Analyse deutet darauf hin, dass neue Ansätze nötig sind, um dieser wachsenden Skepsis zu begegnen.
El-Mafaalanis Arbeit erklärt, warum Bewegungen wie die AfD weiterhin Zulauf erhalten. Seine Erkenntnisse unterstreichen die Rolle digitaler Netzwerke bei der Verstärkung von Misstrauen und die Notwendigkeit neuer Strategien, um dem entgegenzuwirken. Das Buch bietet einen Rahmen, um den Aufstieg populistischer Figuren weltweit zu verstehen – und darauf zu reagieren.






