Sienna Rose: Gibt es die gefeierte Soulsängerin auf Spotify überhaupt?
Adriana SchachtAI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Sienna Rose: Gibt es die gefeierte Soulsängerin auf Spotify überhaupt?
Eine Soulsängerin namens Sienna Rose hat auf Spotify fast zwei Millionen monatliche Hörer gesammelt – doch immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass es sie möglicherweise gar nicht gibt. Untersuchungen des Teams von Trasherchiert des Bayerischen Rundfunks förderten Verbindungen zu KI-generierter Musik zutage und werfen Fragen zur Authentizität im Streaming-Zeitalter auf. Das Rätsel vertiefte sich, als Selena Gomez einen ihrer Songs teilte – und damit im Netz breite Spottwellen auslöste.
Das Spotify-Profil von Sienna Rose zeigt eine junge Frau mit Afro-Look und tiefbraunen Augen, deren Musik als "z zutiefst persönlich" beschrieben wird. Doch Internet-Detektive entdeckten seltsame Ungereimtheiten: keine Live-Auftritte, keine aktive Social-Media-Präsenz und eine plötzliche Flut neuer Lieder. Das Trasherchiert-Team verfolgte ihre Spuren bis zu Nostalgic Records und dem Produzenten Maksim Muravjov, der für KI-generierte Künstler bekannt ist. Zudem stießen sie auf Verbindungen zum KI-Experten Hafsteinn Runarsson.
Eine andere Sienna Rose – eine rothaarige US-Country-Sängerin mit einem inaktiven Account – wurde zwar ausfindig gemacht, doch ihre ursprünglichen Profile verschwanden, sobald die Ermittlungen öffentlich wurden. Währenddessen bleibt die Afro-tragende Sienna Rose auf Spotify präsent und beschert ihren Machern Schätzungen zufolge wöchentlich rund 2.000 Euro (über eine Million Euro pro Jahr), wie der BBC berichtet.
Der Fall spiegelt größere Bedenken hinsichtlich KI in der Musikbranche wider. Eine Studie des Streamingdienstes Deezer ergab, dass 97 Prozent der Hörer nicht zwischen menschengemachten und künstlichen Tracks unterscheiden können, während 85 Prozent der Streams für KI-Künstler von Bots stammen. Der YouTuber Rick Beato warf Spotify vor, von KI-generierten Songs zu profitieren – täglich werden Millionen davon hochgeladen. Stand Anfang 2026 gibt es auf der Plattform noch keine spezifischen Regeln für rein KI-erzeugte Musik, obwohl Branchenvertreter über Transparenz und den Schutz von Rechten diskutieren.
Sienna Roses Geschichte unterstreicht den unkontrollierten Aufstieg der KI in der Musik, wo virtuelle Künstler echte Zuschauer und Einnahmen generieren können. Ohne klare Vorgaben der Streamingdienste verschwimmt die Grenze zwischen menschlicher und künstlicher Kreativität zunehmend. Der Fall hinterlässt bei Hörern – und der gesamten Branche – offene Fragen zu Authentizität und Verantwortung.