Sexismus-Debatte: Warum Nastassja Kinskis Kampf gegen "Falsche Bewegung" Hollywood erschüttert
Vito NeureutherSexismus-Debatte: Warum Nastassja Kinskis Kampf gegen "Falsche Bewegung" Hollywood erschüttert
Eine aktuelle Vorführung von „Falsche Bewegung“ im Frankfurter Filmmuseum hat die Debatte über Sexismus in der Filmgeschichte neu entfacht. Besonders eine umstrittene Szene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski rückte langjährige Bedenken wieder in den Fokus. Die Diskussionen weiteten sich schnell auf andere Kinderdarsteller aus, die in Hollywood ähnlichen Problemen ausgesetzt waren.
Jahre lang hatte sich Nastassja Kinski dafür eingesetzt, die betreffende Szene aus „Falsche Bewegung“ entfernen zu lassen. Erst als Regisseur Wim Wenders ihre Bitte öffentlich ablehnte, gewann ihre Kampagne an Fahrt. Die Kritik wurde so massiv, dass Wenders sich später entschuldigte und den Film aus dem Verkehr zog – doch zentrale Fragen zu künstlerischer Freiheit und Ausbeutung bleiben unbeantwortet.
Die Debatte erfasste bald auch andere Schauspielerinnen, die als Kinder in provokanten Rollen zu sehen waren. Brooke Shields, die in „Pretty Baby“ eine 11-jährige Prostituierte spielte, gestand, wie unangenehm es ihr sei, einen Film zu verteidigen, der einst als „unmoralisch“ galt. Natalie Portman, die mit 12 Jahren in „Léon – Der Profi“ mitwirkte, erinnerte sich an verstörende Fanpost und eine Radio-Rückwärtszählung bis zu ihrem 18. Geburtstag. Dakota Fanning und Kirsten Dunst unterstützten ihre Kritik und betonten, wie wichtig Professionalität und Respekt am Set seien. Jodie Foster hingegen sprach stets mit Humor über ihre Rolle in „Taxi Driver“ – damals ebenfalls erst 12 Jahre alt.
Wie mit solchen Filmen umgegangen werden soll, bleibt umstritten. Manche plädieren für Schnitte, ohne den künstlerischen Kern zu gefährden, andere bestehen auf der ungekürzten Originalfassung – egal wie problematisch sie sein mag.
Die erneute Auseinandersetzung mit „Falsche Bewegung“ und ähnlichen Werken zwingt die Branche, sich mit den dunklen Kapiteln der Filmgeschichte zu konfrontieren. Die Diskussionen zeigen, wie ungelöst der Konflikt zwischen künstlerischer Freiheit und ethischer Verantwortung bleibt. Bis auf Weiteres ringt die Industrie noch um Antworten auf dieses Erbe.






