27 March 2026, 10:19

"Kleiner Sündenwald" fällt im Oktober der Rodung zum Opfer

Geb├Ąude mit Moosbewuchs, trockenen Bl├Ąttern, Pflanzen und einem h├Âlzernen Objekt in der rechten unteren Ecke.

Was Sie über die Rückeroberung des 'Sündigen Waldes' wissen müssen - "Kleiner Sündenwald" fällt im Oktober der Rodung zum Opfer

Der "Kleine Sündenwald" bei Garzweiler II soll ab Oktober gerodet werden

Der "Kleine Sündenwald" in der Nähe des rheinischen Braunkohletagebaus Garzweiler II wird ab Oktober abgerissen. Die Behörden haben den Zugang zum Gebiet bereits gesperrt, um die ab dem 1. Oktober beginnenden Fällarbeiten vorzubereiten. Die Entscheidung hat die Debatte über Umweltschutz und den Kohleausstieg der Region neu entfacht.

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Das kleine Waldstück, das seit langem mit lokalen Sagen verbunden ist, liegt östlich des Hambacher Forstes. Anders als sein berühmter Nachbar wurde es nicht in den Kompromiss von 2020 einbezogen, der den Hambacher Forst vor der Erweiterung des Tagebaus bewahrte. Nun soll seine Rodung Platz für den Kiesabbau schaffen, der für die Stabilisierung künftiger künstlicher Seen in den ehemaligen Abbaugruben benötigt wird.

Der Name des Waldes geht auf örtliche Erzählungen zurück, wonach sich dort einst Dorfjugendliche heimlich trafen. Doch sein ökologischer Wert ist unbestritten: Biologen dokumentierten in dem Gebiet 13 geschützte Arten, darunter die Haselmaus. 2024 führte RWE Umsiedlungsmaßnahmen durch, errichtete Schutzzäune, setzte Drohnen zur Überwachung ein und verlegte Tiere mit fachkundiger Hilfe.

RWE betont, dass alle rechtlichen Auflagen erfüllt seien. Das Unternehmen verfüge über die notwendigen Genehmigungen und argumentiert, der Kies aus dem Gebiet sei essenziell, um die Ufer eines geplanten Sees zu sichern. Das Projekt ist Teil des Plans von Nordrhein-Westfalen, bis 2030 aus der Braunkohle auszusteigen und die Tagebaurestlöcher zu fluten, um große Wasserflächen zu schaffen.

Kritiker sehen in der Zerstörung des Waldes jedoch den Verlust eines intakten Ökosystems. Ein Teil der abgebauten Materialien soll zudem den Bau einer Yachthafenanlage finanzieren – was die Opposition weiter anheizt. Im Januar bestätigte das Oberverwaltungsgericht Münster die Rodung und sah keine Verstöße gegen Artenschutzgesetze. Die Stadt Kerpen erließ daraufhin ein Betretungsverbot, das ab dem 20. Oktober gilt, um Proteste oder Verzögerungen zu verhindern.

Jahrzehntelanger Braunkohleabbau hat das Rheinland bereits mit tiefen Kratern gezeichnet. Die einst von Wäldern und Dörfern geprägte Landschaft trägt heute die ausgehöhlten Narben des industriellen Abbaus. Für viele Anwohner weckt die Rodung des Waldes Erinnerungen an frühere Vertreibungen – ein weiteres Kapitel im schwindenden Erbe der Kohleindustrie.

Die Fällarbeiten werden wie geplant fortgesetzt; RWE hat die Vorbereitungen bereits getroffen. Der abgebauten Kies soll die Ufer des künftigen Sees formen, der Teil der Nachnutzung des Tagebaus ist. Gleichzeitig kämpfen Umweltschützer weiter gegen den Verlust von Lebensräumen, auch wenn die rechtlichen Möglichkeiten schwinden.

Der "Kleine Sündenwald" wird bald zur langen Liste der Landschaften gehören, die durch Deutschlands Energiewende verändert wurden. Seine Rodung markiert einen weiteren Schritt hin zum Braunkohleausstieg 2030 – doch auch ein weiteres Ökosystem, das dabei verschwinden wird.

Quelle