Erzbistum Paderborn räumt 489 Missbrauchsfälle und institutionelles Versagen ein
Recep WohlgemutBischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn räumt 489 Missbrauchsfälle und institutionelles Versagen ein
Das Erzbistum Paderborn hat 489 Fälle sexuellen Missbrauchs zwischen 1941 und 2002 eingeräumt. Eine aktuelle Studie identifizierte 210 beschuldigte Täter, darunter auch Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt. Bischof Udo Markus Bentz hat die Opfer nun um Vergebung gebeten und die Erkenntnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen bezeichnet.
Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seither haben Ermittlungen in zahlreichen Bistümern weitverbreitetes Fehlverhalten aufgedeckt. Allein in Paderborn wurden bis Donnerstag Entschädigungszahlungen in Höhe von 93 Millionen Euro an Überlebende geleistet.
Die jüngste Studie, die am 12. März 2026 veröffentlicht wurde, dokumentiert jahrzehntelangen Missbrauch innerhalb des Erzbistums. Zwar wurden seit ihrer Veröffentlichung keine neuen Ermittlungen gegen Kardinal Lorenz Jaeger eingeleitet, doch hat sich die Diözese verpflichtet, die Rolle Degenhardts weiter zu untersuchen. Opferverbände fordern seitdem die Umbenennung von Straßen, die beide Kardinäle ehren, und verweisen auf Vorwürfe der Vertuschung.
Bischof Bentz bezeichnete die Ergebnisse des Berichts als eine vernichtende Bilanz systematischer Vernachlässigung. Er betonte, die Kirche müsse sich ihrer vergangenen Versäumnisse stellen und diejenigen unterstützen, die durch ihr Handeln Schaden erlitten hätten.
Das Erzbistum Paderborn hat zugesichert, die unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle fortzusetzen. Die Entschädigungszahlungen belaufen sich bereits auf 93 Millionen Euro, weitere Zahlungen werden im Zuge der laufenden Untersuchungen erwartet. Die Forderungen der Opfer nach Konsequenzen – darunter die Umbenennung öffentlicher Orte, die mit beschuldigten Geistlichen verbunden sind – bleiben jedoch weiterhin unerfüllt.