14 March 2026, 12:18

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – von 40.000 auf 12.000 Exemplare

Eine Schwarz-Weiß-Anzeige für die Portland Library Association mit Text.

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – von 40.000 auf 12.000 Exemplare

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang seiner monatlichen Auflage – von einst 40.000 auf weniger als 12.000 Exemplare. Der Einbruch spiegelt nicht nur die allgemeinen Schwierigkeiten des Printjournalismus wider, sondern auch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen, insbesondere denen mit Migrationshintergrund. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Zeitschrift für viele ein Überlebensanker: Sie bietet nicht nur Einkommen, sondern auch ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit.

Das "fiftyfifty"-Projekt wurde ins Leben gerufen, um Obdachlosen eine würdige Möglichkeit zu geben, Geld zu verdienen. Die Verkäufer:innen kaufen das Magazin für 1,70 Euro ein und verkaufen es für 3,40 Euro weiter – die Hälfte des Erlöses behalten sie. Die moderate Preiserhöhung, die im Vergleich zu anderen Gütern gering ausfällt, soll steigende Kosten decken, ohne die Zeitschrift unerschwinglich zu machen.

Doch "fiftyfifty" ist mehr als ein wirtschaftliches Standbein. Die Einnahmen fließen in soziale Projekte wie Straßenhilfe, medizinische Versorgung für herrenlose Hunde und Wohnrauminitiativen. Ohne das Magazin drohen diese Angebote wegzubrechen. Zudem unterstützen Künstler wie Thomas Ruff, Gerhard Richter und Imi Knoebel das Projekt, indem sie Werke für eine Wohltätigkeitsgalerie spenden, deren Erlöse zusätzliche Mittel generieren.

Über den Verkauf hinaus fungiert "fiftyfifty" als öffentliche Plattform: Es macht auf die Ungerechtigkeiten aufmerksam, denen Obdachlose ausgesetzt sind, und stellt sich gegen Diskriminierung. Für viele Verkäufer:innen steht das Magazin für Würde und Schutz in einer Stadt, in der die Ablehnung zunimmt.

Der Auflagenrückgang ist Teil eines bundesweiten Trends. Seit 2015 haben mindestens acht andere deutsche Straßenzeitungen – darunter die "Berliner Stadtrandzeitung" und der "Münchner Strassenfeger" – zwischen 40 und 60 Prozent ihrer Leserschaft verloren. Um zu überleben, setzen sie auf hybride Print-Digital-Modelle, Crowdfunding oder Kooperationen mit Apps wie "Too Good To Go". Einige haben ihr Angebot sogar um soziale Unternehmen erweitert und bieten Workshops oder Online-Shops an, um ihre Projekte am Laufen zu halten.

Auch "fiftyfifty" hat sich angepasst: Die digitale Version "fiftyfifty-ObdachLOS" funktioniert wie eine Rubbellos-Karte und bietet eine alternative Möglichkeit, die Inhalte zu nutzen. Doch das Kernanliegen bleibt: die Stimmen Obdachloser hörbar zu machen und ihre Bedürfnisse im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Die Zukunft von "fiftyfifty" hängt davon ab, Tradition und Innovation in Einklang zu bringen. Während die Printverkäufe schrumpfen, helfen digitale Angebote und Gemeinschaftsunterstützung, die Arbeit fortzuführen. Das Überleben des Magazins sichert Obdachlosen in Düsseldorf nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch Fürsprache und Hoffnung. Ohne es wären lebenswichtige Hilfsangebote und eine Plattform für gesellschaftlichen Wandel in Gefahr.

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