07 June 2026, 18:17

Wie 20 Frauen 1973 Deutschlands größten Lohnstreik auslösten

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

Wie 20 Frauen 1973 Deutschlands größten Lohnstreik auslösten

Im August 1973 löste eine kleine Gruppe von Frauen im Pierburg-Werk in Neuss einen der größten Arbeitskonflikte der deutschen Nachkriegsgeschichte aus. Ihr Protest gegen ungerechte Löhne entwickelte sich rasant zu einem der bedeutendsten Streiks Deutschlands. Die Arbeiterinnen forderten gleiche Bezahlung – und errangen einen historischen Sieg.

Der Streik begann am 13. August, als etwa 20 Frauen ohne gewerkschaftliche Unterstützung die Arbeit niederlegten. Sie wurden nach dem Tarif der „leichten Lohngruppe 2“ bezahlt, obwohl sie dieselben Aufgaben erledigten wie ihre männlichen Kollegen. Die Belegschaft bei Pierburg bestand überwiegend aus Frauen, darunter viele Migrantinnen aus ganz Europa.

Innerhalb weniger Tage weitete sich der Protest auf Hunderte von Teilnehmenden aus. Männer und Frauen, Migrant:innen und Deutsche solidarisierten sich miteinander. Künstler wie Joseph Beuys und Arbeiter aus anderen Städten unterstützten die Streikenden. Es war einer der ersten Fälle in Deutschland, in denen männliche Kollegen sich öffentlich hinter Frauen in einem Lohnkonflikt stellten.

Der Slogan der Streikenden „Eine Mark mehr!“ wurde landesweit bekannt. Nach zähen Verhandlungen durchsetzten sie eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig. Noch wichtiger: Die „leichte Lohngruppe 2“ wurde abgeschafft – nicht nur bei Pierburg, sondern schließlich bundesweit.

Der Pierburg-Streik setzte Maßstäbe für fairere Löhne in Deutschland. Die Abschaffung der diskriminierenden Entgeltgruppe verbesserte die Arbeitsbedingungen von Frauen in Fabriken nachhaltig. Der Protest bleibt ein Schlüsselmoment der deutschen Arbeitsgeschichte.

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