26 April 2026, 20:18

Warum Fußballer auf Verbissenheit und Gnadenlosigkeit schwören – oder bewusst darauf verzichten

Plakat an einer Wand, das Zuschauer bei einem Fußballspiel in einem Stadion zeigt, mit dem Text "Fußball von der U-Bahn - Londoner Humor Nr. 3" darüber.

Warum Fußballer auf Verbissenheit und Gnadenlosigkeit schwören – oder bewusst darauf verzichten

Fußballtrainer und Spieler greifen oft zu drastischen Formulierungen, um ihre Herangehensweise zu beschreiben. Begriffe wie verbissen, gnadenlos oder sogar ekelerregend tauchen regelmäßig in Interviews und Spielberichten auf. Doch diese Ausdrücke sind mehr als bloße Motivationsfloskeln – sie offenbaren eine grundsätzliche Entscheidung, wie Mannschaften sich vorbereiten und auftreten.

Der Begriff der Verbissenheit ist im Fußball längst zum Diskussionsthema geworden. Der jüngste Erfolg von Arminia Bielefeld wird mit der wachsenden Verbissenheit der Mannschaft auf dem Platz in Verbindung gebracht. Unterdessen beschrieb Joshua Kimmich von Bayern München sich selbst offen als "verbissener, zäher, gnadenloser" – Eigenschaften, von denen er überzeugt ist, dass sie sein Spiel verbessern.

Doch das Konzept wirft auch Fragen auf. Experten weisen darauf hin, dass Verbissenheit und Hunger nicht Hand in Hand gehen können. Galle, die die Verbissenheit nährt, entsteht erst nach dem Verzehr fetter, schwerer Speisen – Spieler müssen sich also für eine der beiden Einstellungen entscheiden. Julian Nagelsmann, Trainer der deutschen Nationalmannschaft, forderte von seinem Team vor dem Spiel gegen Nordirland sogar "Gier und Verbissenheit".

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Nicht alle jedoch schwören auf diese Härte. Maximilian Philipp von SC Freiburg wurde kritisiert, weil ihm in der Vorbereitung die nötige Verbissenheit fehlte. Andererseits demontierte kürzlich eine Mannschaft Bayer Leverkusen mit 7:0 – ohne dabei spürbare Verbissenheit oder Abscheu an den Tag zu legen. Manche Spieler gehen noch weiter und bestehen darauf, dass ihr Team "ekelerregend" zu bespielen sein solle – ein Echo auf Themen aus Jean-Paul Sartres "Die Übelkeit", in dem Ekel eine zentrale Rolle spielt.

Journalisten bezeichnen Mannschaften häufig als zäh, gnadenlos oder ekelerregend, wenn sie deren Spielstil beschreiben. Diese Begriffe prägen mittlerweile die Diskussion über Fußballtaktiken und Mentalität.

Die Debatte um Verbissenheit und Hunger im Fußball zeigt eine taktische Spaltung. Während Teams wie Bielefeld ihren Erfolg auf gesteigerte Verbissenheit zurückführen, siegen andere klar, ohne darauf zu setzen. Spieler und Trainer müssen nun entscheiden, welcher Ansatz zu ihrem Spiel passt – in dem Bewusstsein, dass die Wahl sowohl die Leistung als auch die Wahrnehmung beeinflusst.

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