28 April 2026, 02:18

Warum die Kritik am Kapitalismus seit den 1970ern an Kraft verlor – eine Bestandsaufnahme

Plakat mit der Überschrift "Kindera(r)beit ist eine nationale Gefahr - Sollen wir die Industrie das Land fesseln lassen" mit fetter schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund, das eine vielseitige Gruppe von Menschen zeigt, die gemeinsam stehen.

Warum die Kritik am Kapitalismus seit den 1970ern an Kraft verlor – eine Bestandsaufnahme

Krise der Kritik? Gegner des Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter

Eine neue Anthologie untersucht, warum die Kritik am Kapitalismus in den letzten fünf Jahrzehnten an Schlagkraft verloren hat. "Krise der Kritik? Gegner des Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter" analysiert, wie die neoliberale Umgestaltung den Widerstand seit den 1970er-Jahren geprägt hat. Das Buch argumentiert, dass sich die heutigen gesellschaftlichen Umbrüche nur dann verstehen lassen, wenn man nicht nur den Aufstieg des Neoliberalismus betrachtet, sondern auch die Schwächen seiner Kritiker.

Der Band vereint Studien zu antikapitalistischen Bewegungen und Protestformen von Mitte der 1970er-Jahre bis zur Jahrtausendwende. Er zeigt, wie die Konsumkritik, die während des Nachkriegswirtschaftsbooms an Einfluss gewann, später von Gruppen wie der Frankfurter Schule und der Neuen Linken in umfassendere Systemkritiken integriert wurde.

Der Begriff Neoliberalismus selbst ist zu einem zentralen, aber unscharfen Analyseinstrument geworden. Kritiker behandeln ihn oft als monolithische Kraft und übersehen dabei seine fragmentierte Realität. Auch soziologische Debatten neigen dazu, den Kapitalismus der 1960er- und 1970er-Jahre zu verklären – dabei trieben sozialdemokratische und linksliberale Akteure selbst neoliberale Reformen als Reaktion auf Krisen voran.

In den 1990er-Jahren belebte die Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) kurzzeitig sozialistische Perspektiven. Doch ihr Programm vermischte Identitätspolitik mit keynesianischer Wirtschaftstheorie und bot keine kohärente Alternative. Gleichzeitig wurde Widerstand zunehmend individualisiert, was die kollektive antikapitalistische Kritik weiter schwächte.

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Das Buch benennt zwei zentrale Erklärungen für den globalen Triumph des Neoliberalismus: strukturelle Verschiebungen im Kapitalismus und die intellektuelle Verbreitung neoliberaler Ideen. Doch es besteht darauf, dass auch die eigenen Versäumnisse der Linken – ihr Scheitern, neoliberale Reformen zu kontern oder geschlossenen Widerstand zu organisieren – in die Diskussion einbezogen werden müssen.

Die Anthologie fordert Leserinnen und Leser auf, neu zu überdenken, wie die Kritiker des Kapitalismus an Einfluss verloren. Sie zeigt, dass die Vorherrschaft des Neoliberalismus nicht vollständig zu begreifen ist, ohne die internen Krisen und strategischen Fehlschläge der Linken zu analysieren. Die Erkenntnisse des Buches verweisen auf einen langfristigen Niedergang grundlegender antikapitalistischer Bewegungen – mit Folgen für den politischen Protest bis heute.

Quelle