Riesige Wasserleitung für Hambacher Tagebaue soll Seenlandschaft schaffen
Adriana SchachtRiesige Wasserleitung für Hambacher Tagebaue soll Seenlandschaft schaffen
Großes Wasserleitungsprojekt nahe dem Tagebau Hambach offiziell gestartet
In Elsdorf hat offiziell der Bau einer großen Wasserleitung in der Nähe des Braunkohletagebaus Hambach begonnen. Die 45 Kilometer lange Pipeline soll Rheinwasser in ehemalige Braunkohlegruben leiten, um diese zu fluten und in Seen umzuwandeln. Lokale Vertreter und der Energiekonzern RWE betonen das Potenzial des Projekts für den Tourismus und den ökologischen Wandel der Region.
Mit einem symbolischen Spatenstich in Elsdorf wurde der Baubeginn der gewaltigen Leitung eingeläutet. Das System besteht aus 10.000 Rohren – einige mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern – und soll später drei ehemalige Tagebaue versorgen: Hambach, Garzweiler und Inden.
Die Flutung der Gruben Hambach und Inden soll 2030 beginnen, Garzweiler folgt 2036. Der Prozess wird voraussichtlich 40 Jahre dauern, und selbst danach wird ein kontinuierlicher Zufluss von Rheinwasser nötig sein, um die Seen zu speisen. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller erwartet, dass der künftige "Elsdorfer See" der Gemeinde mehr Aufmerksamkeit bringen wird.
RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnete die Pipeline als Zeichen von "Verlässlichkeit und Zukunftschancen". Das Unternehmen verspricht, dass die neuen Seen Lebensräume schaffen, Feuchtgebiete stärken und durch Tourismus Arbeitsplätze in der Region sichern werden. Umweltverbände wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben zeigen sich jedoch skeptisch. Sie hinterfragen die langfristigen Auswirkungen auf die Wasserqualität und die Umwelt.
Rechtliche Hürden sind noch nicht vollständig ausgeräumt. Zwar erteilte die Bezirksregierung Arnsberg im Januar 2026 die Hauptgenehmigung für die Pipeline, doch die Erlaubnis zur Einleitung von Wasser in die Tagebaue Hambach und Garzweiler steht noch aus. Das Genehmigungsverfahren soll im Herbst dieses Jahres beginnen. Für den Tagebau Inden, wo das Wasser in die Rur fließen wird, gibt es dagegen keine Verzögerungen.
Kritiker wie Andreas Büttgen von der Initiative Bürirer für Bürir werfen RWE vor, der Seenplan könnte dem Konzern langfristig als Ausstieg aus der Verantwortung dienen. Gleichzeitig sorgt Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region für Diskussionen über den Wasserbedarf, da die Anlage große Mengen für die Kühlung benötigt.
Das Pipeline-Projekt geht mit sowohl Zustimmung als auch Widerstand voran. Falls realisiert, wird es über Jahrzehnte die Landschaft der ehemaligen Kohleabbaugebiete in Seen verwandeln. Die langfristigen Folgen für die Wasserversorgung, die lokale Wirtschaft und die Umwelt hängen von anstehenden regulatorischen Entscheidungen und den Zusagen des Unternehmens ab.






