17 June 2026, 18:23

RAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe nach gescheiterten Verhandlungen bedroht

Investor ruft Frieden ab

RAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe nach gescheiterten Verhandlungen bedroht

Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines langjährigen soziokulturellen Zentrums, steht nach jahrelangen Verhandlungen auf der Kippe. Am Montag gab die Eigentümerin, die Kurth Group, bekannt, dass das Planungsverfahren „endgültig gescheitert“ sei. Die Entscheidung gefährdet die kulturellen Räumlichkeiten auf dem Gelände – trotz fast elf Jahren Verhandlungen mit dem Bezirk.

Die Kurth Group hatte das RAW-Gelände 2015 erworben. Seither rang der Bezirk um einen Ausgleich zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und dem Erhalt des subkulturellen Kerns. Ein Durchbruch schien 2022 in Reichweite, als der Bezirk im Gegenzug für den Schutz der Kulturstätten einen 100 Meter hohen Büroturm anbot.

Bis Mai 2023 galt eine Einigung als nahezu sicher. Doch der Bezirk zögerte die Erteilung der Baugenehmigungen hinaus, woraufhin die Gespräche ins Stocken gerieten. 2024 zog sich die Kurth Group zurück und setzte stattdessen auf lukrativere Wohnprojekte.

Ohne die Unterstützung des Bezirks kann der Investor nicht vorankommen. Noch am Samstagabend herrschte auf dem Gelände reges Treiben: Eine öffentliche Fußball-Übertragung fand statt, Besucher verließen eine Boulderhalle. Doch diese Woche schlug die Stimmung um, als Clubs wie die Cassiopeia auffordert wurden, bis Ende des Monats zu räumen. Geschäftsführer Florian Falkenhagen erhielt am Montag die mündliche Kündigung.

Das Scheitern der Verhandlungen bedeutet, dass mehrere Projekte das RAW-Gelände in den kommenden Wochen verlassen müssen. Mit dem Rückzug der Kurth Group fehlt dem Bezirk eine klare Perspektive. Die kulturelle Zukunft des Ortes bleibt ungewiss – eine neue Einigung ist nicht in Sicht.

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