Milo Rau inszeniert fiktiven Prozess gegen die AfD beim Thalia Theater
Adriana SchachtRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert fiktiven Prozess gegen die AfD beim Thalia Theater
Die Hamburger Lessing-Tage enden in diesem Jahr mit einer kühnen und provokanten Veranstaltung: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland. In dem fiktiven Prozess wird geprüft, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte.
Die Lessing-Tage, 2010 vom ehemaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründet, loten seit Langem die Grenzen zwischen Politik und Kunst aus. Die diesjährige Ausgabe wird von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird.
Raus Produktion bricht mit klassischen Theaterkonventionen: Statt Schauspieler leiten Juristen und Rechtsexperten das Verfahren – unter dem Vorsitz der früheren Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Richterin. Die Veranstaltung wird live auf der Website des Theaters übertragen und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Bekannt ist Rau dafür, reale Konflikte in seine Arbeiten einzubetten. Sein vorheriges Projekt Das neue Evangelium verband die Passion Christi mit dem Schicksal afrikanischer Geflüchteter. Diesmal rückt er die deutsche Politik in den Fokus und stellt die AfD in einem theatralischen Gerichtsverfahren zur Debatte.
Mit dem Gerichtsverfahren gegen Deutschland endet das Festival mit einer direkten Auseinandersetzung über aktuelle politische Kontroversen. Durch den Einsatz von Juristen statt Schauspielern verschwimmt die Grenze zwischen Kunst und Wirklichkeit. Der Livestream sorgt dafür, dass die Diskussion auch über die Theaterwände hinaus wirkt.
Jury fordert AfD-Verbot nach theatralischem Prozess
Der fiktive Prozess gegen Deutschland endete mit einem historischen Urteil einer siebenköpfigen Jury. Die Jury entschied, dass die AfD in wesentlichen Aspekten verfassungswidrig ist, und forderte eine Überprüfung des Verbots und den dauerhaften Ausschluss aus der staatlichen Förderung. Die detaillierte Entscheidung betonte Verstöße gegen demokratische Prinzipien und war eine direkte Folge von Milo Raus provokanter Inszenierung.