Klassikwelt im Umbruch: Philharmonie-Suche, Festspielstreit und Führungswechsel
Recep WohlgemutKlassikwelt im Umbruch: Philharmonie-Suche, Festspielstreit und Führungswechsel
Große Umbrüche und Debatten erschüttern diese Woche die Klassikwelt. Während Berlin nach einem vorübergehenden Standort für die Philharmonie sucht, äußert sich Hamburgs Kultursenator zum Bayreuther Festspielstreit. Gleichzeitig sorgen Führungswechsel und Kontroversen in Deutschland und Österreich für Schlagzeilen.
Die Berliner Philharmonie steht vor einer Herausforderung: Während der geplanten Sanierung 2032 muss ein Ersatzspielort gefunden werden. Die Stadt favorisiert das Internationale Congress Centrum (ICC), doch Philharmonie-Direktorin Andrea Zietzschmann zeigt sich skeptisch. Eine Umfrage von BackstageClassical ergab eine starke öffentliche Präferenz für den Flughafen Tempelhof als Alternative. Kurz darauf kündigte Zietzschmann an, ihren Vertrag nicht über die aktuelle Laufzeit hinaus zu verlängern – was Spekulationen über ihre Zukunft anheizt. Karin Bergmann, die Markus Hinterhäuser nachfolgen soll, hat angeboten, dessen geplante Konzerte zu übernehmen, erhielt jedoch noch keine Antwort.
Andernorts stößt die Entscheidung des MDR, sein klassisches DAB+-Programm durch BR-Klassik zu ersetzen, auf scharfe Kritik von Musikdirektorin Annette Josef. In Bonn erklärte Beethovenfest-Intendant Steven Walter das Festival zur „No-Dick-Pic-Zone“ und verhängte ein Hausverbot gegen Wiederholungstäter. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda unterstützte öffentlich Michel Friedmans Position zu den Bayreuther Festspielen.
Die Kontroversen reißen nicht ab: John Eliot Gardiners Auftreten beim Leipziger Bachfest löste Empörung aus. Matthias Goerne sagte seine Auftritte in Israel wegen Reisebeschränkungen ab. In München erntete Tobias Kratzers Ring-Inszenierung hochgelobte Kritik – besonders Die Walküre wurde von Philipp von Studnitz gefeiert. Oliver Wille, Leiter der Hitzacker Sommerlichen Musiktage, forderte einen ernsthafteren und werktreueren Umgang mit Musik. Das Salzburger Festspielhaus sieht sich unterdessen mit Sanierungskosten von 635 Millionen Euro konfrontiert – ein deutlicher Anstieg gegenüber der früheren Schätzung von 519 Millionen.
Die Klassikszene befindet sich im Umbruch: Führungswechsel, Streit um Spielstätten und steigende Kosten prägen ihre Zukunft. Die Debatte um die Philharmonie und Zietzschmanns Abschied markieren eine Phase des Wandels. Während Festivals und Sender mit Kritik und Skandalen kämpfen, sorgen künstlerische Erfolge für Lichtblicke.
