21 March 2026, 14:19

Haus der Kulturen der Welt steckt nach Chefket-Absage in der tiefsten Krise seiner Geschichte

Schwarzes und weißes Zeichnung des Reichshallen Theaters in Berlin, das sein Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und einer Decke zeigt, mit Text unten.

Haus der Kulturen der Welt steckt nach Chefket-Absage in der tiefsten Krise seiner Geschichte

Berlins Haus der Kulturen der Welt (HKW) steckt in einer wachsenden Krise – ausgelöst durch die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket. Die politisch motivierte Entscheidung hat eine Welle der Solidarität unter deutschen Künstlern ausgelöst und wirft grundsätzliche Fragen zur kulturellen Freiheit auf. Der Eklat gefährdet nun den internationalen Ruf der Institution.

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Unter der Leitung des kamerunischen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung wurde das HKW zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geführt wird. Trotz dieser Pionierrolle fristete das Haus – nur wenige Schritte vom Kanzleramt entfernt – lange ein Schattendasein in der Wahrnehmung der Bundespolitik.

Der aktuelle Konflikt eskalierte, als der schwäbische Rapper Chefket – vom Goethe-Institut einst als "Rap-Botschafter" ausgezeichnet – im HKW auftreten sollte. Kulturminister Wolfram Weimer griff ein, das Konzert wurde abgesagt. Kritiker verwiesen auf den geplanten Auftrittstermin Chefkets am Jahrestag eines Hamas-Angriffs auf Israel sowie auf sein Outfit: ein "Palästina"-T-Shirt mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels.

Die Folgen waren verheerend: Sämtliche anderen deutschen Künstler, die im HKW auftreten sollten, sagten aus Solidarität mit Chefket ihre Auftritte ab. Die Institution kämpft seither um ihren guten Ruf.

Schon vor dem Skandal stand das HKW wegen Ndikungs "postkolonialer" Programmarbeit in der Kritik, wenn auch ohne größere Kontroversen. Das Haus blieb ein Ort für internationale Künstler – etwa für den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil, der kürzlich dort spielte. Auch der TV-Satiriker Jan Böhmermann hatte mit der Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" auf das HKW aufmerksam machen wollen. Doch der Chefket-Eklat überlagert nun alle anderen Projekte und gefährdet die globale Strahlkraft der Einrichtung.

Dabei hilft auch die prominente Lage des HKW im Regierungsviertel wenig, um politische Unterstützung zu mobilisieren. Die Absage und ihre Nachwehen haben die Institution stattdessen in eine noch prekärere Position manövriert.

Die Zukunft des HKW ist ungewiss. Ohne deutsche Künstler, die dort auftreten wollen, steht das gesamte Programm auf dem Spiel. Gleichzeitig hat die Debatte über kulturelle Vielfalt und Meinungsfreiheit in öffentlich finanzierten Einrichtungen neue Brisanz erhalten.

Die Führung des Hauses muss nun versuchen, die Krise zu bewältigen – und gleichzeitig die Rolle des HKW als Plattform für globale Stimmen zu verteidigen. Die Auswirkungen der Absage gehen weit über ein einzelnes Konzert hinaus: Sie erschüttern den internationalen Stand des HKW.

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