Gescheiterte Abschiebung in Paderborn: Wie ein Mann später zum Solingen-Attentäter wurde
Adriana SchachtGescheiterte Abschiebung in Paderborn: Wie ein Mann später zum Solingen-Attentäter wurde
Ein gescheiterter Abschiebeversuch in Paderborn im vergangenen Jahr gerät zunehmend in die Kritik, nachdem der betroffene Mann später den Anschlag in Solingen verübt haben soll. Am 5. Juni 2023 versuchten Behörden, Issa al H. aus einer örtlichen Unterkunft abzuschieben, stellten jedoch während der Aktion fest, dass er verschwunden war.
Die Operation begann gegen Vormittag, dauerte jedoch nur eine halbe Stunde. Beamte trafen in der Einrichtung ein, wo Anwohner ihre Anwesenheit aufgrund der gekennzeichneten Fahrzeuge bemerkten. Als die Beamten Issa al H. in seinem Zimmer suchten, war er jedoch nicht vor Ort.
Zu diesem Zeitpunkt fehlte den Beamten die Erlaubnis, die Zimmer anderer Bewohner zu durchsuchen. Gegen Mittag kehrte der Mann in das Gebäude zurück. Unterdessen war der für seine Abschiebung nach Bulgarien geplante Flug bereits ohne ihn gestartet.
Nach dem gescheiterten Versuch unternahmen die Behörden keine weiteren Anstrengungen, um ihn abzuschieben. Das Abschiebezentrum in Paderborn wies im Vergleich zu anderen Standorten eine geringere Erfolgsquote auf; ähnliche Vorfälle hatten sich zuvor bereits ereignet. Ein schriftlicher Bericht über den missglückten Versuch ist nun verpflichtend.
Durch die verpasste Abschiebung blieb Issa al H. in Deutschland. Monate später geriet er in Verbindung mit dem Anschlag in Solingen. Nun sehen sich die Behörden mit der Frage konfrontiert, warum nach dem gescheiterten Versuch keine weiteren Maßnahmen ergriffen wurden, um ihn ausfindig zu machen oder abzuschieben.






