Gefährliche Kosmetik: Verbotene Stoffe schlüpfen durch EU-Kontrollen
Adriana SchachtGefährliche Kosmetik: Verbotene Stoffe schlüpfen durch EU-Kontrollen
Der europäische Kosmetikmarkt ist riesig: Aktuell sind rund 600.000 Produkte erhältlich, täglich kommen etwa 800 neue hinzu. Doch trotz der schieren Größe des Marktes bleiben Sicherheitsbedenken bestehen – denn verbotene Stoffe tauchen immer wieder in Produkten auf, die an Verbraucher verkauft werden. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass illegale Inhaltsstoffe, von denen einige mit Krebs und Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht werden, nach wie vor durch die regulatorischen Kontrollen schlüpfen.
Seit 2012 hat die EU über 4.000 Kosmetikartikel wegen gesundheitlicher Risiken vom Markt genommen. Ein verbotener Stoff, Lilial (BMHCA), ist seit mehr als vier Jahren nicht mehr zugelassen, nachdem Studien nalegten, dass er die Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte. Dennoch wurde in einer Tube des Schwarzkopf-Glitzer-Haargels, die im März gekauft wurde, genau dieser Duftstoff nachgewiesen.
Auch Prostaglandin-Analoga hat der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission als bedenklich eingestuft. Diese Verbindungen, die in einigen Kosmetika enthalten sind, könnten das Krebsrisiko erhöhen und die Fruchtbarkeit schädigen. Weitere gefährliche Substanzen wie PFAS (auch "Ewigkeitschemikalien" genannt) und Hydrochinon – ein wahrscheinlicher Krebserreger, der in Hautaufhellungsprodukten verwendet wird – sind in gemeldeten Fällen aufgetaucht.
In Deutschland prüfen die Behörden jährlich rund 10.000 Kosmetikproben. Einige werden einer vollständigen chemischen Analyse unterzogen, andere nur auf korrekte Kennzeichnung. Dennoch gelangen verbotene Produkte weiterhin zu den Verbrauchern. Das Rechercheportal CORRECTIV konnte drei illegale Artikel online erwerben, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit BMHCA von Amazon.
Das EU-Meldesystem Safety Gate hat die Überwachung verschärft. 2025 wurden über 1,6 Millionen Websites geprüft und mehr als 20.000 illegale Produkte identifiziert. Selbst bekannte Marken wie Nivea (Beiersdorf), Schwarzkopf und Schauma (Henkel) waren von den Funden betroffen.
Die Entdeckung verbotener Stoffe in weit verbreiteten Kosmetikartikeln offenbart Lücken in der Durchsetzung der Vorschriften. Zwar ziehen die Behörden tausende unsichere Produkte vom Markt, doch illegale Waren zirkulieren weiterhin – sowohl online als auch in Geschäften. Die Kontrollen werden zwar ausgeweitet, doch Verbraucher bleiben den versteckten Gefahren in Alltagsprodukten ausgesetzt.






