Demokratie in Deutschland: Junge verlieren das Vertrauen – warum die Stabilität wackelt
Recep WohlgemutZufriedenheit mit Demokratie in NRW bei Jugendlichen sinkt - Demokratie in Deutschland: Junge verlieren das Vertrauen – warum die Stabilität wackelt
Die Demokratie in Deutschland bleibt zwar stabil, sieht sich aber wachsenden Herausforderungen gegenüber – das geht aus dem aktuellen Demokratiebericht der Bundeszentrale für politische Bildung hervor. Das Vertrauen in zentrale Institutionen – Politik, Wissenschaft, Strafverfolgungsbehörden sowie Entscheidungsgänger auf Bundes- und Landesebene – ist deutlich gesunken, besonders bei jüngeren Menschen.
Am stärksten ist der Vertrauensverlust bei den jüngsten Altersgruppen. In Nordrhein-Westfalen etwa ist die Zufriedenheit mit der Demokratie unter 14- bis 18-Jährigen von 77 Prozent im Jahr 2023 auf nur noch 47 Prozent 2025 gefallen. Auch bei den 19- bis 29-Jährigen äußern nur noch 51 Prozent Zufriedenheit – ein Rückgang um 14 Punkte seit 2023. Selbst in der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen sank die Zustimmung um 8 Punkte auf 43 Prozent.
Das politische Engagement junger Menschen zeigt ein gemischtes Bild. Zwar geht die Mitgliedschaft in traditionellen zivilgesellschaftlichen Organisationen leicht zurück, doch gewinnen digitale Aktivismusformen und themenspezifische Jugendinitiativen an Bedeutung. Jugendparlamente in Städten wie Köln und Düsseldorf verzeichnen ein moderates Wachstum, doch die allgemeine zivilgesellschaftliche Teilhabe liegt weiterhin unter dem Niveau vor 2020.
Besorgniserregend ist zudem ein Wandel in den Einstellungen: Fast die Hälfte der Befragten – 47 Prozent – stimmt der Aussage zu, die Gesellschaft brauche "eine starke Partei, die den Willen des Volkes verkörpert". Weitere 15 Prozent halten "unter bestimmten Umständen eine Diktatur für die bessere Regierungsform". Diese Ergebnisse deuten auf eine zunehmende Offenheit für undemokratische Ideen hin.
Ältere Generationen bleiben demgegenüber eine stabile Stütze der Demokratie und zeigen weiterhin starke Unterstützung. Doch der Bericht warnt vor "mittelfristigen Risiken", die durch persönliche Sorgen, wirtschaftliche Notlagen und weitverbreitete Zukunftsängste angetrieben werden.
Der Demokratiebericht unterstreicht eine wachsende Kluft im Vertrauen zwischen den Generationen. Während ältere Bürgerinnen und Bürger demokratische Werte weiterhin hochhalten, wächst bei Jüngeren die Enttäuschung. Werden die wirtschaftlichen und sozialen Belastungen nicht angegangen, könnte die langfristige Stabilität der Demokratie in Deutschland weiter unter Druck geraten.






