15,5 Prozent der Deutschen leben unter der Armutsgrenze – wer ist besonders betroffen?
Recep Wohlgemut15,5 Prozent der Deutschen leben unter der Armutsgrenze – wer ist besonders betroffen?
Rund 15,5 Prozent der Menschen in Deutschland leben mittlerweile unter der Einkommensarmutsgrenze. Die offizielle Schwelle liegt bei 1.378 Euro netto im Monat, doch die steigende Inflation belastet die Haushaltskassen zusätzlich. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende, ältere Mitbürger und Menschen, die allein leben – sie tragen das höchste Risiko, in finanzielle Not zu geraten.
Um im Alter eine Rente oberhalb der Armutsgrenze zu sichern, ist ein monatliches Bruttogehalt von etwa 3.300 Euro nötig – das entspricht rund 20 Euro pro Stunde. Doch die gesetzliche Rente deckt derzeit nur 53 Prozent des früheren Bruttoeinkommens für Über-65-Jährige ab. Viele sind daher auf private Rücklagen oder zusätzliche Einnahmen angewiesen. Experten raten dringend dazu, frühzeitig private Altersvorsorge aufzubauen, um später nicht in die Armutsfalle zu geraten.
Regionale Lohnunterschiede verschärfen die Problematik. In Ostdeutschland verdienen 60 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weniger als 3.500 Euro im Monat – in Hamburg sind es nur 15 Prozent. Bundesweit liegt fast die Hälfte der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitkräfte (rund 40 Prozent) unter dieser Marke. Der durchschnittliche Bruttolohn für Vollzeitbeschäftigte betrug 2023 zwar 4.200 bis 4.300 Euro, doch Geringverdiener – vor allem Frauen – kommen oft nicht über 2.530 Euro hinaus.
Für Rentner verschärft sich die Lage weiter. Mit 9,2 Millionen Deutschen, deren Einkommen nicht ausreicht, um eine Rente über der Armutsgrenze zu garantieren, müssen viele auch im Ruhestand weiterarbeiten. Eine geplante Anhebung der Hinzuverdienstgrenze für Minijobs ab 2026 soll hier Abhilfe schaffen und es Rentnern erleichtern, ihr Einkommen aufzubessern.
Die Armutsgrenze ist zwar gestiegen, doch die Inflation zehrt weiterhin an der Kaufkraft der Bezieher niedriger Einkommen. Ohne private Ersparnisse oder Nebentätigkeiten drohen Millionen im Alter unter die Armutsgrenze zu rutschen. Politiker und Finanzberater betonen daher die Dringlichkeit, frühzeitig vorzusorgen, um die wachsende Rentenlücke zu schließen.






